Zwei Abende und einen Tag später erreiche ich mit einer beschwerlichen Zugfahrt das Herzensziel aller Pilger: Santiago de Compostela. Die Nacht ist bereits hereingebrochen, orientierungslos bleibe ich auf dem Bahnhofsvorplatz stehen. Die alte Ramona spricht mich an. Sie bietet mir gegen ein geringes Entgelt ein Bett in ihrer Wohnung. Aber trotz meiner Erschöpfung und der fortgeschrittenen Nacht zieht es mich nochmal hinaus – hinaus zur Kathedrale. Ich laufe schwitzend durch enge verwinkelte Altstadtgassen.
Plötzlich und gänzlich unvorbereitet stehe ich dann auf dem rießigen Praza do Oradoiro. Die Kathedrale angestrahlt durch gigantische Schweinwerfer übertrifft an Größe und Festlichkeit alles bisher Gesehene. Ich bin angekommen! Aber dann Verwirrung: Was bedeutet dieses „angekommen“? Wo bin ich angekommen? Bei mir selbst? Bei irgendwas? Irgendwem?
Die Gedanken schwirren und vor Erschöpfung schließe ich die Augen und lege mich auf den Boden.
Als ich wieder erwache graut bereits der Morgen, ich fühle mich leicht - fast schwerelos.

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