Sonntag, Oktober 07, 2007
Abschied
Am frühen Morgen nehme ich mir auffällig-unauffällig mehr Zeit und lasse die anderen Pilger losziehen. Unentdeckt wähnend schlage ich dann den Weg zur Busstation ein. Junge Menschen in Uniformen bewerfen die Passanten mit Böllern – und ich fühle mich, als hätte ich es verdient getroffen zu werden. An der Busstation treffe ich den kleinen Belgier, seine Füße sind dick verbunden und auch er wird den Jakobsweg verlassen. Mit dem Bus in Santo Domingo angekommen, belegen wir Zimmer im besten Parador-Hotel im Ort.
Aber – und wer hätte damit rechnen können – auch die Pilgerschar schafft den – anscheinend nicht so beschwerlichen – Weg in diesen Ort. An jeder Ecke läuft man ihnen in die Arme. Neugierig möchte jeder wissen in welcher Herberge wir untergekommen sind. Verschämt verweise ich auf die Füße des kleinen Belgiers und verteidige so Einzelzimmer, Badwanne und Fernseher.
Am Abend überkommt mich der Abschiedsschmerz und ich eile in die Herbergen – durchlaufe labyrinthartige Schlafsäle, Waschsäle und Großküchen. Wo sind sie – Wo sind meine Pilger? Und mit jedem Schritt spüre ich die Distanz wachsen – und spüre, es gibt kein zurück: ich bin kein Pilger mehr!
Lady Schuh nimmt mich lange in den Arm – und schießt dann das Abschiedsfoto. In der Nacht betäube ich meinen Schmerz mit den Inhalten meiner Minibar.
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