Sonntag, September 23, 2007

Monique (2. Tag auf dem Camino)

(in gedenken an monika die ihre reise wohl aus physischen gruenden vorzeitig abbrechen musste)

monique moechte bereits nachdem sie mich 5 minuten kennt mit mir schlafen. ich lerne sie kennen als ich mich in einer kleinen bar endlich traue die beiden suessen langhaarigen studenten anzusprechen. die beiden studieren doch tatsaechlich theologie und einer von den beiden hatte noch vor kurzem eine schlechte zeit. um mit sich und gott wieder ins reine zu kommen, wurde der gang des jakobsweges geplant. allerdings gelang ihm dieses "ins reine kommen" bereits im vorfeld, aber der jakobsweg liess sich wohl nicht mehr stonieren. er wirkt allerdings die gesamte zeit, die ich ihn sehe, immer etwas genervt von allem (was ihm allerdings gut steht). kilian und raffi heissen die beiden studenten und leider ist der platz zwischen ihnen bereits besetzt. und da kommt auch schon monique die allen ein bier ausgibt. natuerlich heisst monique in wirklichkeit monika und kommt aus dem vorort einer bankenstadt. sie hat auf der arbeit mit wertpapieren zu tun und ist wohl vom "kerkeling"-effekt gepackt, zumindest ist sie von einer ueberspruehenden herzlichkeit und redet wahnsinnig laut.
diese nacht teilt sie sich ein zimmer mit einem aelteren maennerpaar aus deutschland. ich hingegen schlafe heute mit 12o menschen in einem klosterraum. aus mitleid moechte monique sofort mit mir am naechsten tag ein pensionszimmer teilen.
in der nacht habe ich uebrigens 3 panikattacken und meine gesamte kindheit laeuft wie ein film an mir vorbei. um 6 uhr morgens werden ich und 119 menschen von moenchsgesang geweckt und auf die strasse in die absolute dunkelheit entlassen. unauffaellig folge ich einfach ein paar pilgern mit kopftaschenlampe bis die sonne langsam aufgeht und auch eine kleine bar mit kaffee und kuechlein in reichweite kommt.
monique treffe ich 3 tage spaeterin pamplona wieder - sie ist von den laufstrapazen doch recht mitgenommen. wir trinken viel wein und ich esse bohnensuppe, was bei anderen pilgern doch auf etwas missmut stoesst - muessen sie sich doch ein zimmer mit mir teilen. der abschied an diesem abend mit monika ist aeusserst herzlich, den waehrend ich in der kleinen von sehr strengen deutschen gefuehrten "casa paderborn" uebernachten ist sie in der massenherberge der stadt untergebracht.

ein paar tage spaeter hoere ich, dass monika wohl aufgeben musste....

1 Kommentare:

claude hat gesagt…

Mensch, das wird ja zunehmend dramatischer!
Toll!
Wie man sich findet und verliert und so weiter.
Ich drück die Daumen für die nächsten Tage!
xxx
claude