Eigentlich wollte ich ja vor den italienischen Pilgern warnen. Ich hatte bisher nur schlechte Erfahrungen mit ihnen gemacht. Sie sind laut und voller flegelhaftem Benehmen. So leuchten sie einem noch vor 6 Uhr früh mit der Taschenlampe ins Gesicht oder massieren sich – wenn sie im Etagenbett über dir liegen – intensivst ihre Waden, so dass man sich in einem Softporno wähnt.
Aber dann lerne ich Luca kennen. Er ist - wie es auf dem Weg immer wieder passiert – einfach plötzlich da. Ca. 27 Jahre alt, ist er von großer und schlanker körperlicher Statur. Er hat schwarze Haare und eine unglaublich tiefe Stimme. Luca trägt immer ein weit aufgeknöpftes kariertes Hemd, beige kurze Hosen und eine schwarze Armanibrille. Wenn er mit einem spricht, blitzen seine schneeweißen Zähne. Alles in allem halt ein Topmodel.
Ich möchte ihn Ricardo nennen – aber dafür will er Günther zu mir sagen, so lasse ich es.
Luca freut sich immer rießig wenn ich ihn auf dem Weg überhole. Ich bin für ihn nur „der schnelle Deutsche“. Er lacht dann ganz viel und klopft mir auf die Schultern.
Selbst ist er sehr mitgenommen von den körperlichen Strapazen. Aber sobald er geduscht und etwas geschlafen hat, glänzt er wieder. Und ich freue mich über das Topmodel auf dem Jakobsweg.
P.S.: Übrigens noch schlimmer als italienische Pilger findet man Radfahrpilger, die dröhnend den Weg lang poltern – in ihren enganliegenden Froschanzügen. Die Champagnerpilger hingegen mag man – ist man doch selbst einer, hin und wieder.
1 Kommentare:
Ach, Deine Pilgerberichte gefallen mir sehr gut! Ich fände es prima, wenn Du schon den nächsten planst!
Viele grüße
Claude
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