Montag, September 24, 2007

der organisierte camino

der jakobsweg ist ja auch ein wenig wie organisierter aktiv-cluburlaub. um dazu zugehoehren benoetigt man einen pilgerausweis und eine grosse jakobsmuschel. die jakobsmuschel wird gut sichtbar am rucksack befaestigt. sie dient als erkennungszeichen fuer andere pilger, und man darf menschen mit muschel ungeniert nach dem weg, nach toilettenpapier oder ihrer tieferen bedeutung fuer den camino fragen. los gehts es morgens zwischen 6-7 uhr - und ich wuerde meine gruppe auf ca. 60-70 menschen schaetzen (natuerlich variierend je nach tagesform etc.). wie bei einer schnitzeljagd weisen gelbe pfeile oder muscheln den weg. waehrend des weges verteilt sich die wanderschar - aber eigentlich bleiben mind. ein bis zwei wanderer in blickweite, so dass an verlaufen eigentlich nicht zu denken ist*. nach stunden erreicht man dann irgendein spanisches dorf (zur abwechslung auch mal stadt) und stellt sich in der warteschlange der dortigen herberge. man bekommt einen stempel und fuer ca. 3 bis 5 euro auch ein bett zugewiesen. anschliessend wird unterhose und t-shirt gewaschen und fuer die dusche angestanden.
da die schlafenszeiten der pilger deutlich mit den essgewohnheiten der spanier kollidieren, gibt es eine extra pilgermenu. alternativ kann man aber auch der pilgermesse beiwohnen. in der messe versteht man kein wort und muss staendig aufstehen, dafuer bekommt man aber auch die hostie und den pilgersegen.
zunehmend wird aber auch die herberge gar nicht mehr verlassen, stattdessen gemeinsam gekocht und gegessen. uebringens ist das durchschnittsalter auf dem camino 50, ich befinde mich allerdings wohl in einer jugendblase - zumindenst wuerde ich die meisten auf zw. 24-34 schaetzen.
im aelteren alter sind zumeist alleinwanderende damen, wie z.B. paula aus helsinki oder alice aus der schweiz. und irgendwie arbeiten sie alle in einer bibliotek.


*einmal setze ich mich unbedacht auf einen wegweiser, dies fuehrt dazu, dass ausgerechnet diese streng glaubige koreanerin die immer so boese schaut den falschen weg nimmt. lady schuh laeuft ihr nach und macht sie auf den irrtum aufmerksam. zuerst ist die koreanerin auch sehr dankbar - nachdem sie allerdings mein verdecken des wegweisers bemerkt spuere ich absofort bei jeder begegnung ihre toedlichen blicke auf mir...

3 Kommentare:

raketenprinz hat gesagt…

WARUM man nun den jakobsweg beschreitet – aktiv-cluburlaub-charakter, gemeinschaftsübernachtung, blasen an den füßen, anstehen an der dusche, funktionsbekleidung – bleibt dem prinzen wohl auf ewig verborgen.
aber darüber zu lesen bereitet große freude. der prinz dankt für diese bloggerische kurzweil!

superschum hat gesagt…

lieber raketenprinz,
ja warum nur? das frag ich mich auch wenn morgens um 6 der deckenfluter angeht..

lieben gruss
superschum

DerBoB hat gesagt…

Superschum, deine Camino-Geschichten sind viel besser als die vom Hape ;-)

Wurde uebrigends aufmerksam auf deinen Blogpost ueber einen SphereLink:RelatedContent, von meinem Bericht zum Thema Buenos Aires Tango City Tour Tipps.
Die Relation zwischen den Berichten bleibt so komplex, dass sie in den Untiefen des Bloggerexibitionismus verborgen bleibt, und nur ein hochmoderner Softwarealgorithmus kann dies nachvollziehen. Trotzdem Link war erfolgreich - Leser amuesiert :-)